Gedanken

Loslassen

23. Februar 2017

Jedes Jahr erscheinen gefühlt unendlich viele neue Bücher auf dem Markt, die nach und nach in den Buchhandlungen und anderen Verkaufsstellen eintrudeln. Hierzu gehören neben so mancher Neuauflage oder Taschenbüchern, die es zuvor lediglich in gebundener Ausgabe gab, unzählige Neuerscheinungen. Von vollkommen neuen Autoren, deren Debüt ins Rampenlicht gerückt wird, bis hin zu großen, altbekannten Namen aus dem Geschäft. Ein kleiner Prozentsatz, der trotzdem groß genug ist, wandert auf meinen Merkzettel. Imaginär, auf Papier oder in elektronischer Form auf dem Smartphone. Hiervon landen wiederum Monat für Monat bis zu zehn oder fünfzehn Bücher im heimischen Bücherregal. Logischerweise ist der Platz dort begrenzt. Wohin also mit dem Lesestoff, der sich über die Jahre ansammelt?

Vor fünfzehn Jahren habe ich vermutlich noch alle Bücher, die jemals ihren Weg zu mir gefunden haben, behalten. Damals habe ich auch noch Bücher beendet, die mir überhaupt nicht gefallen haben. Nicht nur das änderte sich irgendwann, sondern auch die Einstellung zum Behalten von Büchern. Ungefähr fünf Jahre später habe ich mich erstmals bei eBay angemeldet und kurze Zeit darauf bei einer der größten Tauschbörsen des Internets. Ab da wurden immer häufiger gelesene Bücher in Luftpolsterumschläge gesteckt und quer durch das Land geschickt. In alle möglichen Ecken Deutschlands. Bei eBay bin ich mittlerweile gar nicht mehr aktiv. Wenn ich mir allerdings die Anzahl der Bewertungen anschaue, die ich bisher auf Tauschticket erhalten habe, überkommt selbst mich ungläubiges Staunen. Laut meinem Tauschkonto habe ich inzwischen 895 Artikel an andere Tauschpartner verschickt. Neben ein paar wenigen Filmen, die an der Stelle nicht groß ins Gewicht fallen, bezieht sich der Großteil dieser Tauschvorgänge auf Bücher, die den Besitzer wechseln durften.  Nahezu 900 Bücher, ganz egal, ob gelesen oder ungelesen. Ehrlich gesagt ist es für mich im Rückblick schier unmöglich, sich diese Menge an Büchern genauer auszumalen.

Manche Leute scheinen sich relativ schwer zu tun, wenn es darum geht, sich von Büchern zu trennen. Was das angeht kann ich rundheraus sagen: Ich nicht mehr. Klar, Bücher, die während des Lesens etwas in mir bewegt haben, die mir etwas bedeuten, haben ihren berechtigten Platz im Regal und werden diesen auch nicht so bald oder nie hergeben müssen. Da gibt es aber noch andere Bücher. Nämlich diejenigen, die ich vielleicht ganz gerne mochte und mit denen ich durchaus eine schöne Zeit verbringen durfte, die aber nach wenigen Tagen oder Wochen schon wieder in Vergessenheit geraten. Von anderen Geschichten überlagert, die intensiver waren und sich mir nachhaltig einprägen. Bei Büchern, die ich gar nicht erst beendet habe, ist der Schnitt am klarsten und schmerzlosesten. Da muss ich sowieso nicht weiter Abwägen, da ist der Entschluss am schnellsten gefasst.

Erst diesen Monat habe ich erneut meinen Blick schweifen lassen und kurzen Prozess gemacht. Das mag in manchen Ohren hart klingen, aber ich bin mir sicher, dass es besser ist, regelmäßig auszusortieren. Sich von alten Dingen zu trennen und im selben Atemzug Klarheit zu schaffen. Geschichten, die nicht zu mir passen wollten, weiterziehen zu lassen. Statt sie einstauben zu lassen lieber anderen Menschen eine Freude zu bereiten. Viele Bücher stehen seit Jahren ungelesen da, werden nur von Zeit zu Zeit ein bisschen hin- und hergeschoben, aber ansonsten nicht sonderlich beachtet. Vielleicht, weil sich mein Fokus verschoben hat und sie mich einfach nicht mehr reizen oder neugierig machen.

Als ich kurz danach ein Bild der aussortierten Bücherstapel auf Instagram online stellte, kam unumwunden die Frage, was ich denn nun damit mache. Was ist mein nächster Schritt nach dem Aussortieren? Bei mir Zuhause landen sie zuallererst in einem Schrank, der etwas abseits im Flur steht. Anschließend wird nochmals unterteilt in Bücher, die für die Tauschbörse gedacht sind oder beim nächsten Treffen an Freunde weitergegeben werden. Was übrig bleibt, wird bei einer guten Gelegenheit in den öffentlichen Bücherschrank hier in der Nähe gebracht. Dort habe ich selbst schon das ein oder andere Buch gefunden und stelle genauso gerne neuen Lesestoff rein, der meistens nach kürzester Zeit weg ist und wohl einen neuen, hoffentlich begeisterten, Leser gefunden hat. Eine weitere Idee, die ich eventuell heute gleich in die Tat umsetze, wäre, einen Teil der Bücher in der nächstgelegenen Bibliothek abzugeben. Das würde sich vor allem anbieten, da es in unserer Gemeinde eine ganz kleine, gemütliche Bibliothek gibt, die ehrenamtlich mit großem Engagement geführt wird.

Fällt es euch leicht, wenn ihr euch von Büchern trennen müsst? Oder versucht ihr das eher zu vermeiden?

 

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6 Comments

  • Reply Ankas Geblubber 23. Februar 2017 at 22:25

    Liebe Juliana,
    ein sehr schöner Beitrag, den ich gern gelesen habe. Mir gefällt deine Einstellung zu Büchern, schließlich kann ich mich mit ihr sehr gut identifizieren, denn auch ich sortiere regelmäßig aus. Neben meiner Couch steht eine Kiste mit allen aussortierten Büchern. Freunde, die zu Besuch kommen, dürfen nach Herzenslust stöbern und mitnehmen. Ab und an nehme ich die „Ladenhüter“ mit zu einem unserer öffentlichen Bücherschränke. Hier habe ich ebenfalls die Erfahrung gemacht, dass insbesondere aktuelle Titel mit Kusshand genommen werden. Außerdem trifft man immer wieder super sympathische Leute am Bücherschrank – geht dir das auch so? Ich liebe diese spontanen Begegnungen mit gleichgesinnten Büchermenschen.
    Liebe Grüße
    Anka

    • Reply Juliana 24. Februar 2017 at 9:20

      Das mit der Kiste, die du für Besuch bereitgestellt hast, finde ich ja auch eine großartige Idee! Bei mir ist das „Problem“ ein bisschen, dass im Freundeskreis nicht so viel gelesen wird. Schon hin und wieder, aber nicht so exzessiv wie es für mich üblich ist. Trotzdem finden sich auch da immer mal Bücher, die auf große Freude bei Freundinnen stoßen und für den nächsten Urlaub eingepackt werden.

      Solche spontanen, schönen Begegnungen hatte ich leider noch nicht. Kann mir aber vorstellen, dass man da schön ins Gespräch kommt, wenn man auf die richtigen Leute trifft! 🙂

      Viele Grüße
      Juliana

  • Reply Christin 24. Februar 2017 at 11:11

    so, nun ein zweiter Versuch 😉

    Ich sortier auch regelmäßig Bücher aus. Manche landen sogar direkt auf dem „Kann weg“- Haufen. Weil sie einfach nicht überzeugen konnten. Aber ich geh auch mein Bücherregal durch und schau welcher Titel da nicht reinpasst und den ich eh nie wieder lesen werde.
    In den Bücherschrank stell ich auch Bücher. Vorher stell ich aber die „guten“ Exemplare erstmal zum Verkauf rein und wenn sie dort verstauben dürfen sie in den Bücherschrank rein 😉

    Also Begegnungen hatte ich da auch noch nicht. Eher interessierte bzw schüchterne Blicke XD

    • Reply Juliana 4. März 2017 at 16:34

      Besonders befreiend fand ich es letztens als ich mich von Büchern getrennt habe, die wirklich schon Jahre ungelesen im Regal stehen. Da muss man sich ernsthaft die Frage stellen, wieso sie noch da stehen und vor allem wieso ich sie bisher nicht gelesen habe.

      Die interessierten Blicke kenne ich auch 🙂

  • Reply Nelly 24. Februar 2017 at 16:23

    Huhu Juliana,
    ein wunderschöne Beitrag! Großes Lob, ich hab ihn richtig gern gelesen.
    Und Deine Einstellung zum Bücheraussortieren finde ich unglaublich erfrischend. Ich sammel meine Bücher prinzipiell schon, habe aber kein Probleme mehr damit, mich von einigen ab und an mal zu trennen. Auch meine erste Wahl ist dabei Tauschticket.
    Bücher, die mir nicht gefallen haben oder die ich sogar abgebrochen habe, die bekommen schon gar keinen Platz in meinem Regal. Die stell ich direkt auf TT. Und es ist wirklich befreiend!!

    Alles Liebe, Nelly

    • Reply Juliana 4. März 2017 at 16:31

      Hallo Nelly,

      vielen Dank für die lieben Worte! Befreiend, genau das ist es und deswegen finde ich, sollte man sich unbedingt regelmäßig von solchen Dingen trennen. Weniger ist eben auch da mehr, manchmal! 🙂

      Liebe Grüße
      Juliana

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