Rezensionen

Thomas Nommensen: Wintertod

2. Oktober 2016

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Befand sich Arne Larsen im ersten Band Ein dunkler Sommer noch im Norden Deutschlands, hat es ihn nun in Wintertod nach Berlin verschlagen. Vom Land ab in die Großstadt. Damals waren es die heißen Sommertemperaturen, die für ordentlich Atmosphäre gesorgt haben. Jetzt ist es der eiskalte Winter, der mit großen Schritten näher rückt. In diesem ungewohnten Umfeld muss Larsen sich nun erst einmal zurechtfinden. Als eine weibliche Leiche auf einem stillgelegten Friedhof gefunden wird, bekommt er für die Ermittlungen Mayla Aslan zur Seite gestellt, die ihm den Neuanfang mit ihrer abweisenden Art zusätzlich erschwert.

4 Gründe, wieso du Wintertod lesen solltest

In vielen Kriminalromanen sind es die knallharten Kerle, die gegen Verbrecher und das Böse kämpfen. Arne Larsen fällt hier mit seiner ungemein sympathischen und vor allem bodenständigen Art positiv auf, weil es mal etwas anderes ist und man ihn einfach mögen muss. Er wirkt aufrichtig, loyal und glaubhaft. Selbstsicher, aber nicht überheblich. Die Art wie er mit Zeugen und Kollegen umgeht ist genau angemessen. Und überhaupt ist es als Leser überaus spannend zu sehen wie er an die Lösung von Fällen herangeht. Er folgt seinem Herz, aber schaltet dabei den Verstand nie aus. Er ist und bleibt ein klasse Typ!


Mayla Aslan ist eher das Gegenteil von Larsen. Das ist mein erster Eindruck. Als sie Larsen als Partner zugeteilt bekommt reagiert sie zunächst etwas ruppig und verhalten. Er hingegen tritt ihr offen und neugierig gegenüber. Sie scheint jedoch keinerlei Interesse daran zu haben ihn besser kennenzulernen oder gar willkommen zu heißen. Es ist zwar nicht so, dass es zwischen den beiden Reibereien gibt, die Zusammenarbeit gestaltet sich, zumindest anfangs, aber trotzdem nicht ganz einfach. Auf alle Fälle ist es dieser Gegensatz, der das Ganze erst recht spannend macht. Um die Vergangenheit von Mayla wird zudem noch ein Geheimnis gemacht und es ist schnell klar, dass hier viel Raum für Spekulationen bleibt. Umso neugieriger ist man auf Details, die hoffentlich in einem weiteren Buch aufgegriffen werden.


Oben habe ich es bereits angedeutet. Nommensen weiß wie man mit wenigen Worten die richtige Atmosphäre schafft. Allein durch die Witterungsverhältnisse, die er gekonnt einfließen lässt und zu einem wesentlichen Bestandteil der Handlung macht. In diesem Fall ist es der Übergang vom Herbst in den Winter. Während des Lesens hatte ich das Gefühl die gefrorenen Eiskristalle auf der Haut zu spüren und konnte mir bildlich vorstellen wie Berlin von Tag zu Tag immer mehr im Schnee versinkt.


Die Handlung ist durchaus komplex, verliert aber niemals den Faden. Eine Leiche wird gefunden und die Ermittlungen nehmen ihren Lauf – wie man es eben von Krimis gewohnt ist. Indem aber zwischen den Ermittlungen und den Erlebnissen einer weiteren Person gewechselt wird, nimmt das Ganze zunehmend an Fahrt auf. Bei der Person handelt es sich um eine junge Lehrerin, die nach einer längeren Auszeit wieder im Schuldienst ist. Kurz darauf wird ihre Aufmerksamkeit auf zwei Kinder, nämlich Bruder und Schwester, gelenkt, die auffallend oft fehlen. Sie möchte herausfinden woran das liegt und ahnt nicht, dass sie sich dadurch in höchste Gefahr begibt. Das ist aber noch nicht alles. Eine Waldsiedlung der DDR und ein Bunker unter einem ehemaligen Stasi-Krankenhaus spielen eine weitere tragende Rolle in dem Geschehen. So laufen mehrere Fäden scheinbar einzeln nebeneinander her und ergeben später ein großes Ganzes, das außerordentlich fesselnd ist!

Wintertod – Thomas Nommensen – Rowohlt Verlag – TB – 432 Seiten – ISBN:  978-3-499-27198-4

Wer nun neugierig geworden ist, darf sich Ein dunkler Sommer von Thomas Nommensen ebenfalls nicht entgehen lassen. Hier geht es zu meiner Rezension!

Darüber hinaus hatte ich die großartige Gelegenheit dem Autor ein paar Fragen zu stellen. Dazu morgen mehr!

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