Rezensionen

Catharina Junk: Auf Null

17. September 2016

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Nina ist 20 Jahre jung und gerade erst in eine neue Stadt gezogen, um mit ihrem Studium durchzustarten. Sie will das Leben und alles was es zu bieten hat in vollen Zügen auskosten. Eben dieses Leben schleudert sie aber von heute auf morgen völlig aus der Bahn. Vergleichbar mit einer rasanten Achterbahnfahrt auf der es urplötzlich nur noch bergab geht. Ohne Gurt. Ohne jeglichen Halt. Die Diagnose lautet: Akute Myeloische Leukämie. Auf Null setzt jedoch nicht am Anfang der Krankheit an, sondern konzentriert sich gezielt auf das Danach. Viele Monate und vor allem schmerzhafte Behandlungen später erhält sie das folgende Urteil der Ärzte: Gesund, aber noch nicht geheilt. Geheilt darf sie sich erst nennen, wenn sie fünf Jahre keinen Rückfall erleidet. Wie geht man mit diesem neuen Leben um? Eine zentrale Frage, mit der Catharina Junk selbst schon konfrontiert war und die den Dreh- und Angelpunkt dieses Romans bildet.

4 Gründe, wieso du Auf Null lesen solltest

Indem der Fokus nicht direkt auf der Krankenzeit selbst, sondern überwiegend auf dem Danach liegt, wird eine ganz neue Perspektive geschaffen. Ein Ansatzpunkt, den ich bisher in Büchern zu ähnlichen Themen vergeblich gesucht habe. Die allererste Reaktion und die Frage nach dem Umgang mit einer solch schwerwiegenden Diagnose überlagert im ersten Moment alles andere. Wenn man dann nach unendlichen Qualen und Todesangst von den Ärzten die Nachricht erhält, das Krankenhaus verlassen zu dürfen, kann man es vermutlich nicht richtig fassen. Vielleicht befindet man sich in einer Art Schwebezustand. Zerrissen zwischen Dankbarkeit, Erleichterung, Unsicherheit und Angst. Angst an eine gute Prognose zu glauben oder sich zu sehr zu freuen. Wie schöpft man in dieser Situation neuen Lebensmut? In diesem Buch bekommen wir die Chance, Nina auf ihrem Weg zurück ins Leben zu begleiten.


Auf jeder einzelnen Seite erfahren und erleben wir bis ins kleinste Detail wie Nina sich fühlt, wie sie auf der Suche nach einem sicheren Lebensgefühl ist. Sie wünscht sich endlich wieder glücklich sein zu dürfen. Ich finde es  beachtenswert wie uns die Autorin diese tiefen Einblicke in das Gefühlsleben von Nina gewährt. Besonders beeindruckend finde ich aber auch wie sie eine wichtige Balance herstellt. Zwischen Nina und ihrer Umgebung. Denn auch ihre Familie und engsten Freunde werden durchgehend in das Geschehen einbezogen. Als Leser beobachten wir wie eine enge Freundschaft zu zerbrechen droht, wie ihre Eltern versuchen jeden Tag stark aufzutreten, um für Nina da zu sein oder wie ihr jüngerer Bruder in all dem Trubel unterzugehen droht und verzweifelt Halt sucht.


Das ungewollte Aufeinandertreffen mit Erik bringt frischen Wind in die eigentlich bedrückende Thematik. Meistens trifft es einen eben genau dann, wenn man überhaupt nicht damit rechnet. So auch bei Nina. Das gesamte Auftreten, die positive Ausstrahlung und das Vertrauen, das er ihr von Anfang an entgegenbringt, haben mir gleich gefallen. Großartig finde ich, dass man dennoch keine schnulzige Liebesgeschichte befürchten muss. Vielmehr gibt es der Handlung einen schönen Feinschliff und das, ohne sich zu dominant in den Vordergrund zu drängen.


Zuletzt ist es noch der Humor von Nina, der genannt werden muss, weil er einfach unschlagbar und sympathisch ist. Auch wenn oder gerade weil er manchmal etwas trocken daher kommt. Sie nimmt sich selbst nicht zu ernst und hat mich mit ihrer Art angesteckt. Dass sie Angst hat geliebte Menschen zu verlieren, sie zu verletzten oder zu nahe an sich heranzulassen, ist nachvollziehbar. Ängste sind menschlich. Nina rauft sich aber immer wieder zusammen und tritt den Ängsten ordentlich in den Hintern. Sie lässt sich nicht klein kriegen. Das macht sie aus und damit hat sie auch bei mir als Leser viel bewirkt!

Auf Null – Catharina Junk – Kindler Verlag – Hardcover – 396 Seiten – ISBN: 978-3-463-40668-8

 

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