Rezensionen

Eve Harris: Die Hochzeit der Chani Kaufman

22. Juli 2016

 

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In ihrem Debütroman Die Hochzeit der Chani Kaufman gewährt uns Eve Harris glaubwürdige Einblicke in den jüdisch-orthodoxen Hochzeitsmarkt. Es ist aber nicht nur das, was mich staunend und teilweise fassungslos gemacht hat. An das Thema bin ich zunächst nämlich relativ unbefangen und unwissend herangegangen. Umso erstaunter war ich schließlich über die festen Traditionen und Regeln nach denen sich ein Leben im jüdisch-orthodoxen Glauben auch heute noch richtet.

Chani ist nicht nur in einer sehr großen Familie aufgewachsen, sondern ist darüber hinaus die Tochter eines recht angesehenen Rabbiners. Da sie sich nun im heiratsfähigen Alter befindet, machen sich ihre Eltern mit der Hilfe einer so genannten Kupplerin auf die Suche nach einem passenden Bräutigam. Durch bestimmte Umstände kommt Baruch ins Spiel, der Chani auf einer anderen Hochzeitsfeier entdeckt hat und sie für sich gewinnen möchte. Schnell wird jedoch deutlich, dass die Eltern auch noch ein Wörtchen mitzureden haben. Bei der klassisch jüdischen Heiratsvermittlung gilt es nämlich einige Faktoren zu beachten , die über romantische Gefühle weit hinausgehen.

Allein die Tatsache, dass über ihren Kopf hinweg solche Entscheidungen getroffen werden, hat bei mir ein erstes mulmiges Bauchgefühl hervorgerufen. Dieses wurde durch die zahlreichen Erwartungen, die in strenggläubigen Gemeinden gestellt werden, nur noch verstärkt. Da sind Spannungen im eigentlich modernen 21. Jahrhundert vorprogrammiert.

Eve Harris gelingt es in diesem Roman verschiedene Menschen zu Wort kommen zu lassen. Um diesen Perspektivenwechsel zu ermöglichen, lenkt sie den Fokus zwischendurch unter anderem auf die Heiratsvermittlerin Rebecca Reuben. Den Weg den sie gegangen ist, vom jungen, weltoffenen Mädchen bis hin zur Frau eines Rabbiners, ist mir ebenfalls sehr nahegegangen. Ihre innerliche Zerrissenheit zwischen den religiösen Traditionen und den Freiheiten der Moderne war jede Minute greifbar und nicht zu leugnen.

Dass die Autorin vieles aus dieser Geschichte selbst erlebt hat, ist durch ihre ehrliche, authentische Art unverkennbar. Mir hat es die Augen ein wenig geöffnet. Durch Eve Harris habe ich ein besseres Verständnis für den jüdisch-orthodoxen Glauben bekommen und ich bin gespannt, ob wir irgendwann mehr von ihr zu lesen bekommen.

Die Hochzeit der Chani Kaufman – Eve Harris – Diogenes Verlag – ISBN: 978-3-257-30020-8

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