Rezensionen

Gillian Flynn: Dark Places – Gefährliche Erinnerung

9. März 2015

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Obwohl ich oft versuche meine Erwartungen an ein Buch möglichst niedrig zu halten, ist mir das in diesem Fall nicht besonders gut gelungen. Nach Gone Girl stand für mich fest, dass es sich bei Gillian Flynn um eine Art Ausnahmetalent handelt. Ich habe schon viele Thriller gelesen und habe daher nach ersten Anlaufschwierigkeiten gemerkt, dass diese Autorin anders ist und mit einem ganz eigenen Schreibstil aufwarten kann.  Dies war für mich Grund genug, um mehr von ihr zu lesen!

Ich habe sofort bemerkt, wie außergewöhnlich  diese Geschichte sein wird. Dennoch hatte ich erneut Schwierigkeiten in den Lesefluss hineinzufinden. Möglicherweise lag es daran, dass Gillian Flynn eine besondere Vorliebe für  Details zu haben scheint. Was ich jedoch in keinster Weise kritisieren möchte.  Ich persönlich benötige lediglich etwas Zeit, um damit warm zu werden. Wenn man dann aber einen bestimmten Punkt überwunden hat, kann man kaum die Finger davon lassen und möchte unbedingt wissen, welchen weiteren Verlauf die Geschichte nimmt.

Ihr detaillierter Schreibstil macht den besonderen Reiz dieses Buches aus. Die Beschreibungen sind knallhart, direkt und manchmal auch sehr kalt. Als Leser braucht man starke Nerven und es ist nicht immer einfach mit den düsteren Ereignissen umzugehen. Gillian Flynn erzeugt in Dark Places – Gefährliche Erinnerung eine dunkle und erbarmungslose Atmosphäre, die sich auch in den Charakteren widerspiegelt.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Libby. Vor vielen Jahren hat sie auf einen Schlag beinahe ihre gesamte Familie verloren. Von einem Moment auf den nächsten entsteht ein wahnsinnig großer Riss in ihrem Leben. Ihre beiden älteren Schwestern und ihre Mutter sterben bei einem Blutbad, das angeblich durch ihren Bruder verursacht wurde, der anschließend im Gefängnis landet. Was das in einem Menschen auslöst, kann man sich wohl nicht annähernd vorstellen. Libby war noch nie ein lebenslustiges Kind, aber was für ein Einschnitt dieser Schicksalsschlag für sie sein muss ist deutlich zu spüren. Durch ihre forsche, abweisende Art stößt sie auch beim Leser nicht auf viel Sympathie. Im Grunde hat sie sich mit der Zeit immer mehr in sich zurückgezogen und von der Außenwelt abgeschottet. Ein Leben mit sozialen Beziehungen oder einem normalen Alltag ist unmöglich. Trotzdem finde ich hat sie im Laufe der Geschichte eine kleine Wandlung durchgemacht, die zwar sehr langsam abläuft, aber doch vorhanden ist.  Dies liegt vermutlich daran, dass sie sich erst jetzt mit den damaligen Geschehnissen auseinandersetzt und sich damit auch öffnet. Was andere Charaktere betrifft, war ich häufig ziemlich erschrocken. Gillian Flynn nimmt den Leser mit an den untersten Rand der Gesellschaft. So lernt man Menschen kennen, deren Leben von Drogen und Kriminalität beherrscht werden. Ein Leben am Abgrund und ohne jegliche Zukunftsaussichten.

Nicht nur der Schreibstil von Gillian Flynn ist einzigartig, sondern auch der Aufbau ihrer Geschichten. Es findet ein ständiger Wechsel zwischen der Gegenwart und Vergangenheit statt. Im Hier und Jetzt macht man sich zusammen mit Libby auf die Suche nach Antworten. Gleichzeitig erlebt man hautnah mit was sich damals vor der besagten Nacht alles abspielt und wie alles nach und nach außer Kontrolle gerät.

Für mich war eigentlich alles realistisch und authentisch dargestellt. Bis dann das Ende kam. Auch wenn die Auflösung logisch präsentiert wurde, war es mir doch einen Tick zu viel. Es konnte mich einfach nicht komplett zufriedenstellen. Ich kann nicht sagen, was für ein Ende ich mir gewünscht hätte, aber das war es nicht. Hierbei spielen einige merkwürdige Zufälle eine Rolle, die bei mir einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen.

Der schwierige Einstieg und das schwache Ende werden mich nicht davon abhalten weitere Werke von Gillian Flynn zu lesen. Rundherum auf jeden Fall ein Buch, das mir gefallen hat und das durch einen speziellen Schreibstil, eine düstere Atmosphäre und teilweise ziemlich kranke Charaktere auffällt.

Dark Places – Gillian Flynn – Fischer Verlage – 464 Seiten

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