Rezensionen

Gillian Flynn: Gone Girl – Das perfekte Opfer

7. November 2014

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Gone Girl – Das perfekte Opfer von Gillian Flynn ist für mich wohl die Überraschung des Jahres. Meine Erwartungen waren schon vorher relativ hoch. Der Trailer des Films hat das nur verstärkt. Als ich dann angefangen habe zu lesen wich die große Freude aber erst einmal ganz großer Enttäuschung. Mit dem Schreibstil hatte ich zunächst wirklich enorme Schwierigkeiten. Für mich war er viel zu ausschweifend. So ausschweifend, dass ich manchmal gar nicht mehr wusste was ich gerade gelesen habe. Damit zusammenhängend hatte ich genauso Probleme den Gedankengängen von Nick und Amy zu folgen.

Es findet ein konstanter Wechsel zwischen zwei Perspektiven statt. Zum einen werden die Geschehnisse aus der Sicht von Nick wiedergeben. Zum anderen aus der von Amy, die regelmäßig in ihrem Tagebuch alle möglichen Erlebnisse festgehalten hat. Auf diesem Weg erfährt man auch wie sich die beiden kennengelernt haben und wie sich im Anschluss daran alles weiterentwickelt. Allerdings waren die Gedanken der beiden an vielen Stellen so sprunghaft, dass ich mich auf den ersten knapp 100 Seiten ein wenig gelangweilt habe. Dadurch sind als allererstes Zweifel aufgekommen.

Und dann dreht es sich plötzlich um 180 Grad. Nicht nur die Handlung hat wahnsinnig viele Wendungen zu bieten, die mich mehrmals sprachlos gemacht haben. Ebenso überrascht war ich davon, wie begeistert ich auf einmal von Gillian Flynns Erzählweise war, die mich anfangs noch gestört hatte. Das ganze Buch war für mich eine Art Gratwanderung. Flynn führt die Leser gekonnt in die Irre und man stellt sich eine ganze Weile die Frage, was denn nun tatsächlich mit Amy passiert ist. Gleichermaßen habe ich mich gefragt, was für ein Mensch Nick ist. Die Autorin spielt mit der Wahrnehmung der Leser, sodass ich irgendwann überhaupt nicht mehr wusste was ich über die einzelnen Protagonisten denken oder glauben sollte. In dem einen Moment ist einem ein Charakter unheimlich unsympathisch und im nächsten fängt man an doch wieder an daran zu zweifeln.

Nachdem ich das Buch beendet habe, bin ich nur noch neugieriger auf die Verfilmung und wie die Handlung hier umgesetzt wurde. Obwohl ich bisher nur den Trailer kenne, bin ich mir aber schon ziemlich sicher, dass er mir gefallen wird. Vor allem Ben Affleck kann ich mir unfassbar gut in der Rolle als Nick vorstellen.

Gillian Flynn hat mit Gone Girl – Das perfekte Opfer eine Geschichte auf Papier gebracht, die einen Einblick in die unterschiedlichsten Facetten eines Menschen gewährt. Häufig ist man fest davon überzeugt, Menschen gut zu kennen. Was ist aber, wenn man sich hierbei täuscht? Was gibt einem die Sicherheit, jemanden richtig zu kennen? Mit all diesen Fragen beschäftigt sich dieses meisterhafte Werk, in dem nichts wirklich so ist wie es auf den ersten Blick scheint.

Gone Girl – Das perfekte Opfer – Gillian Flynn – Fischer Verlage – 592 Seiten

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