Gedanken

Im zweiten Anlauf

19. Februar 2017

In letzter Zeit hat sich bei mir eine Art innere Unruhe eingeschlichen. Es erscheint scheinbar ein gigantisches Werk nach dem anderen. Überall gibt es Neuerscheinungen zu entdecken, die für Gesprächsstoff sorgen und von verschiedensten Stimmen hochgelobt oder auch kritisch beäugt werden. Ganz zu schweigen von den zahlreichen älteren Schätzen, die es aufzuholen gilt. Entscheidungen wollen getroffen werden, für ein Buch. Und genau an diesem Punkt fühle ich mich in manchen Momenten regelrecht überladen. Vielleicht sogar überfordert. Wie soll ich nur eines auswählen? Ein einziges Buch, das meine gesamte Aufmerksamkeit bekommt. Ohne in Gedanken schon wieder zur nächsten interessanten Geschichte zu wandern.

Wenn ich mich in einer solchen Situation befinde, neige ich häufig dazu ein zweites Buch anzufangen. Und wenn ich auch da nicht richtig reinfinde oder mir die nötige Konzentration fehlt, fange ich noch eins an und dann vielleicht noch eins. Auf der Suche nach dem Sog, den gute Bücher auslösen, wächst der Stapel immer weiter an. Die Unzufriedenheit aber auch. Vielleicht liegt es an den Büchern, vielleicht nicht. Möglicherweise gebe ich ihnen zu wenig Zeit. Lese zu ungeduldig. Wähle ein Buch, das zu einem anderen Zeitpunkt passender wäre.

Da ich die kommende Woche Urlaub habe, zählt zumindest die Ausrede mit der fehlenden Zeit nicht länger. Wann soll ich sonst ausreichend ruhige Momente zum Lesen finden, wenn nicht jetzt in den nächsten Tagen? Deswegen habe ich (fast) alle angelesenen Bücher schön auf meinen Nachttisch gelegt. Dort verlier ich sie nicht so schnell aus den Augen. Was bei den Schwergewichten Auster, Foer und Russo sowieso unwahrscheinlich ist.

Salz für die See von Ruta Sepetys

Das Buch, das wohl am längsten darauf wartet, weitergelesen zu werden. Der Gedanke an die Schicksale der einzelnen Personen in dieser Geschichte geht mir sofort unter die Haut. Zum damaligen Zeitpunkt hat es die Geschichte aber bedauerlicherweise trotzdem nicht geschafft, mich an die Seiten zu fesseln. Aufgeben will ich es aber auf keinen Fall.

4321 von Paul Auster

Nach den ersten Buchbesprechungen zum neuesten Werk von Paul Auster war ich gleich hin und weg. Dabei hatte ich bislang noch nichts von ihm gelesen. Ein Leben in vier Variationen zu erzählen, finde ich eine sehr faszinierende Idee. Eine Idee, die ganz viel Potential hat, das ausgeschöpft werden kann. Wenn dem Autor das gelungen ist, würde hier ein ganz außergewöhnliches Leseerlebnis auf mich warten. Ich hatte zuvor auch Interviews mit dem Autor gesehen, die die Neugierde zusätzlich steigerten. Ich habe aber auch gemerkt, dass es sich nicht einfach am Rande lesen lässt. Man muss sich voll und ganz auf die vier parallel erzählten Lebenswege einlassen, um ihnen folgen zu können.

Hier bin ich von Jonathan Safran Foer

Hier hatte es für mich zuerst den Anschein, dass es ausschließlich begeisterte Rückmeldungen gibt. Manchmal ist man bei solchen Hypes ja besonders skeptisch. Manchmal aber eben auch nicht. Zumindest ich lasse mich gern von so etwas anstecken. Aber auch bei diesem Buch bin ich irgendwann an einen Punkt gestoßen, an dem ich nicht weitergekommen bin. Da mich aber die Rahmenhandlung reizt, werde ich noch einen Versuch starten.

Diese gottverdammten Träume von Richard Russo

Ebenfalls eine Geschichte, die die volle Aufmerksamkeit erfordert. Nur hier mal fünf und da zehn Seiten lesen bringt einem die Protagonisten nicht näher. Dabei müsste man sich wahrscheinlich einfach mal eine Stunde ganz dem Buch widmen und alles andere um sich herum ausschalten.

Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod von Gerhard Jäger

Auf dem Heimweg im Zug reingelesen und unmittelbar danach zur Seite gelegt. Dabei gefällt mir die Atmosphäre, die die Geschichte ausstrahlt, ausgesprochen gut und ich habe große Lust weiterzulesen.

América von T.C. Boyle

T.C. Boyle ist ein Autor, mit dem ich mich eigentlich erst in den letzten Wochen ausführlicher beschäftigt habe. Natürlich war er vor allem durch seinen neuesten Roman „Die Terranauten“ stark in den Medien vertreten. Den möchte oder werde ich auf jeden Fall noch lesen. Da ich aber gestern erst auf einer Lesung von ihm war und mir die Vorfreude auf das genannte Buch noch ein wenig aufheben wollte, habe ich zuvor mit „América“ begonnen, um einen ersten Eindruck von seinem Schreiben zu bekommen.

Ganz normale Helden von Anthony McCarten

Dieses Wochenende spontan angefangen und dabei werde ich wohl auch bleiben. Anthony McCarten hatte ich mir dieses Jahr sowieso vorgenommen. Geplant war zwar eher mit anderen Titeln zu beginnen, die ich schon im Kopf hatte, aber solche Pläne kann man auch mal ganz gut über den Haufen werfen. Allein der Buchtitel hat es mir angetan. Die besten Helden sind eben die ganz normalen Helden, die einem täglich im Alltag begegnen. Auch der Erzählstil lässt mich als Leser direkt an der Geschichte der Familie Delpe teilhaben. Ich habe bereits einige Stellen markiert und mit Zettelchen versehen, was absolut für das Buch spricht. Und dafür, dass ich mit Anthony McCarten möglicherweise einen neuen Schriftsteller für mich entdeckt habe.

Ihr seht: Der Wille all diese Bücher zu beenden ist vorhanden. Mal sehen, mit welchem ich nach McCarten weitermache. Gerade tendiere ich zu „América“ und „Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod“. Es wird sich aber noch zeigen, welches es tatsächlich wird. Habt ihr schon eines der Bücher gelesen? Außerdem würde mich interessieren, ob es euch manchmal ähnlich geht oder ob nur ich mich mit der Wahl so schwer tue.

Verliert auch ihr euch ab und zu in den unzähligen Büchern, die ihr noch lesen möchtet?

 

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