Rezensionen

Melanie Raabe: Die Falle

16. April 2015

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Bevor ich zu diesem Buch gegriffen habe, war es um mich herum schon in aller Munde. Von vielen geschätzten Bloggern sind mir erste positive Rezensionen zugeflogen. Und auch der Autorin folge ich bereits via Social Media. Eine sehr sympathische Frau. Die Neugierde war also relativ schnell geweckt und ich wollte unbedingt herausfinden, was sich hinter diesem vielversprechenden Debütroman verbirgt.

Die Geschichte handelt in erster Linie von Linda, die seit Jahren um ihre Schwester trauert und die noch immer verzweifelt nach Antworten sucht. Ich muss zugeben, dass ich sie nicht gleich einschätzen konnte. Vor langer Zeit musste sie ihre Schwester in einer Blutlache vorfinden. Hinzukommt, dass sie den Mörder quasi auf frischer Tat ertappte, dieser dann jedoch fliehen konnte. Seitdem schwebt die Frage nach dem Warum wie eine tiefschwarze Wolke über ihr. Es ist offensichtlich, wie traumatisch ein solch einschneidendes Erlebnis sein muss. Seitdem versucht sie mit diesem Verlust umzugehen und verliert dabei fast komplett den Kontakt zur Außenwelt. Nur wenige Personen schauen in regelmäßigen Abständen bei ihr vorbei.

Mehr als einmal habe ich mich gefragt, was Linda genau dazu bewogen hat, sich dermaßen zurückzuziehen. Das Haus einfach gar nicht mehr zu verlassen. Vermutlich war es etwas, das sich ganz langsam eingeschlichen hat. Aus wenigen Tagen wurden Wochen. Und aus Wochen wurden Monate. Melanie Raabe beschreibt anfangs sehr genau, wie der Tagesablauf von Linda aussieht. Hierdurch wird man zunächst mit eher kleinen Schritten an das Leben von ihr herangeführt. Zwar hatte ich damit ein wenig Schwierigkeiten und habe zu Beginn ein bisschen die Spannung vermisst, denke nun im Nachhinein aber, dass der Einstieg vermutlich genau richtig gewählt war.

Der Erzählstil von Melanie Raabe ist schlicht und an einigen Stellen etwas eigen. Dieser Eindruck entsteht vor allem durch Wiederholungen von kurzen Satzteilen. Gestört hat es den Lesefluss jedoch in keinster Weise. Mir ist ihre Art zu Schreiben auf jeden Fall sehr positiv in Erinnerung geblieben.

Jeder Mensch wird von Zeit zu Zeit mit Ängsten konfrontiert. Bei manchen sind sie stärker ausgeprägt als bei anderen. Die Autorin hat in diesem Buch meiner Ansicht nach die Wahrheit genau auf den Punkt gebracht. Man muss sich seinen Ängsten stellen. Sie spricht damit etwas aus, das man sich selbst vielleicht öfters bewusst machen sollte, weil man in solchen Situationen vor lauter Angst nicht mehr klar sieht.

Die Falle enthält nicht nur viele Spannungsmomente, sondern konfrontiert den Leser in erster Linie mit dem Thema Angst. Im nächsten Schritt beweist dieses Erstlingswerk aber auch, wie wichtig es ist, über sich selbst hinauszuwachsen und die eigenen Ängste währenddessen über Bord zu werfen.

Die Falle – Melanie Raabe – Btb – 352 Seiten

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