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Roman

Lesetagebuch

Niah Finnik: Fuchsteufelsstill

21. April 2017

« 16.04.2017 » 

Juli teilt mit dem Leser all ihre Gedanken. Durch diese Erzählweise habe ich sofort das Gefühl, in den Strudel ihrer Gedankengänge abzutauchen. Ich erlebe hautnah, wie sie auf ihre Umwelt reagiert und bin dabei als ihr erster Tag in der psychiatrischen Einrichtung bevorsteht. Hier landet sie nach einem gescheiterten Suizidversuch, um sich ihren allgegenwärtigen Ängsten zu stellen. Wie sie von dieser einschneidenden, alles betreffenden Angst spricht, geht mir nahe und ich konfrontiere mich selbst automatisch mit den Fragen: Wovor habe ich Angst und was bedeutet Angst eigentlich? Welchen Stellenwert nimmt sie in meinem Leben ein? Außerdem spricht sie die Zerrissenheit an, die durch äußere, aber auch eigene Erwartungen an sich selbst, oft entsteht. Eine Zerrissenheit, die auch mir in manchen Momenten möglicherweise gar nicht so fremd ist.

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Rezensionen

Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht

2. April 2017

Wie oft zerbricht man sich den Kopf darüber, was andere Menschen wohl denken? Und das bei vermutlich völlig Fremden. Wie oft macht man sich Sorgen, dass andere etwas Falsches über das eigene Verhalten denken könnten? Manchmal viel zu oft, ob bewusst oder unbewusst. Addie wirft all diese Bedenken über Bord und unternimmt etwas, das bei den Menschen aus ihrem näheren Umfeld für allerhand Gesprächsstoff sorgt und die Gerüchteküche ordentlich anheizt.

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Rezensionen

Morten Brask: Das perfekte Leben des William Sidis

5. März 2017

Es kommt vor, dass in den Medien von Wunderkindern die Rede ist. Kinder, die der normalen Entwicklung weit voraus sind und auf bestimmten Gebieten außergewöhnliche Fähigkeiten an den Tag legen. Überdurchschnittliche Leistungen, die alle anderen Menschen in ihrem Umfeld oder gar die halbe Welt in ungläubiges Staunen versetzen. In diesem Zusammenhang stellt sich unweigerlich die Frage, wann etwas als normal oder unnormal eingestuft wird. Mit dem Wort „normal“ habe ich ein bisschen meine Probleme. Wird man in dieser Hinsicht nicht viel zu oft, viel zu schnell in Schubladen gesteckt? Und welche Faktoren sind entscheidend, wenn es um Hochbegabung geht?

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Rezensionen

Hanya Yanagihara: Ein wenig Leben

31. Januar 2017

In diesem, im mehrfachen Sinne, gewaltigen Werk von Hanya Yanagihara geht es um so vieles im Leben, das im Grunde nicht in Worte zu fassen ist. Wie vom Verlag angekündigt, verspüre ich das dringende Bedürfnis darüber zu reden und zu schreiben, finde im gleichen Augenblick aber nicht die passenden Worte, um auszudrücken, wovon es handelt oder was es mit mir gemacht hat. Vielleicht schrecke ich sogar etwas davor zurück, mich an den Laptop zu setzen. Starre anfangs auf die weisse Seite. Innerlich noch immer zutiefst betroffen von dem menschlichen Wunsch nach ein wenig Leben. Continue Reading…